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Brüderliche Liebe

„FüGE HINZU … IN DER FRöMMIGKEIT DIE BRüDERLICHE LIEBE“ (2. PETR. 1:7; VERGL. DIAGLOTT)

In der in 2. Petr. 1:5-7 gegebenen Additionsaufgabe zählt der Apostel die Bestandteile der vier großen Eigenschaften des göttlichen Charakters – Weisheit, Macht, Gerechtigkeit und Liebe – auf. Mit den Worten Glauben , Tugend ( Hoffnung ) und Erkenntnis nennt er die Bestandteile der Weisheit; mit den Worten Selbstbeherrschung und Geduld nennt er die Bestandteile der Macht; mit den Worten Frömmigkeit und brüderliche Liebe nennt er die Bestandteile der Gerechtigkeit. Er nennt uns nur ein Wort für die Liebe – [selbstlose] Liebe. Demgemäß ist die brüderliche Liebe ein Teil der Gerechtigkeit. Viele Menschen denken, dass die Gerechtigkeit einer kalten Marmorstatue gleich ist, die, wenn sie uns in die Arme schließt, uns frösteln lässt. Dies ist jedoch nicht die biblische Vorstellung von der Gerechtigkeit. Sie denken, dass die Gerechtigkeit lediglich Pflicht ist. Doch gemäß der Heiligen Schrift ist die Gerechtigkeit mehr als nur Pflicht. Sie enthält zusätzlich das Element der Liebe. Jedoch nicht alle Liebe ist Gerechtigkeit, es gibt aber eine bestimmte Art der Liebe, die Gerechtigkeit ist, nämlich die pflichtgemäße Liebe, die wie bereits gesagt, zwei Bestandteile enthält – Frömmigkeit, sie ist die pflichtgemäße Liebe zu Gott und brüderliche Liebe, sie ist die pflichtgemäße Liebe zum Nächsten. Wir möchten hier die brüderliche Liebe erörtern und wir hoffen, dass der Herr unser tiefes Nachdenken zu unserer Erfrischung segnen wird.

Was ist mit brüderlicher Liebe gemeint? Wir müssen zuerst verstehen, was mit Liebe gemeint ist, um dies richtig zu verstehen. Mit Liebe ist der gute Wille gemeint, denn in jeder Bekundung der Liebe finden wir guten Willen. Er fehlt in keinem Ausdruck der Liebe. Es gibt verschiedene Formen der Liebe und verschiedene Gnaden, durch welche die Liebe wirkt, die häufig bei manchen Ausdrücken der Liebe fehlen. Doch finden wir keinen Ausdruck der Liebe, in der es keinen guten Willen gibt. Da somit der gute Wille in jedem Ausdruck der Liebe erscheint und da in jeder anderen Form, in der Liebe sich ausdrücken könnte, die eine oder andere ihrer Aktivitäten fehlen könnte, muss er das Herz der Liebe sein. Guter Wille ist deshalb das, was mit Liebe gemeint ist. Als die Engel sangen: „Guter Wille den Menschen“ (Lk. 2:14; AV), war ihr Gedanke „Liebe den Menschen“.

Da wir gesehen haben, dass Liebe ein guter Wille ist, möchten wir zeigen, welche Art der Liebe Gerechtigkeit ist. Es ist der gute Wille, den wir rechtsmäßig anderen schulden, der gute Wille, dass Forderungen des Rechts erfüllt werden sollten. Wenn wir uns dem enthalten, sind wir Sünder. Deshalb ist es unsere Pflicht, es zu geben. Deshalb ist Gerechtigkeit pflichtgemäße Liebe. Sie wendet sich zwei Klassen zu: Sie wendet sich einerseits Gott und Christus und andererseits unseren Mitmenschen zu. Gott und Christus wendet sie sich mit ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und Stärke für das Gute, das Sie uns getan haben, zu. Dies ist der Gedanke in Mk. 12:30 (vergl. Mt. 22:37): „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft“. Folglich ist dies der Ausdruck der pflichtgemäßen Liebe in der Form der Frömmigkeit. Brüderliche Liebe ist pflichtgemäße Liebe den Nächsten gegenüber – der gute Wille, den wir rechtsmäßig unseren Nächsten schuldig sind. Folglich definieren wir brüderliche Liebe als pflichtgemäße Liebe den Nächsten gegenüber, der gute Wille, den wir rechtsmäßig unseren Nächsten schuldig sind .

Es gibt Ausdrücke der Liebe, in denen, während der gute Wille immer gegenwärtig ist, alle anderen Formen der Liebe oder ihre eng verbundenen Gnaden fehlen können. Zum Beispiel: Unter manchen Umständen können wir in der Liebe keine Wertschätzung ausdrücken, denn die Umstände fordern anstatt Würdigung, Sympathie oder Mitleid. Obwohl es hier keine Würdigung gibt, ist der gute Wille gegenwärtig. Andere Umstände fordern die Ausübung der Wertschätzung, aber nicht der Sympathie. Nichtsdestoweniger wird der gute Wille gegenwärtig sein, obwohl die Sympathie fehlt. Es gibt andere Zeiten, in denen die Liebe im Einzelnen weder Würdigung noch Sympathie, sondern Dienst, Freundlichkeit fordert. Darin gibt es guten Willen. So verhält es sich auch mit den eng verbundenen Gnaden, z.B. der Sanftheit. Der Vater, der seinen störrischen Sohn züchtigt, ist in der Regel nicht besonders sanft, wenn er ihm die Züchtigung auferlegt. Doch, wenn er ein guter Vater ist, hat er einen guten Willen für sein Kind. Hiermit haben wir eine Veranschaulichung der Liebe, in der es einen guten Willen gibt, doch nur wenig oder keinen Ausdruck der Sanftheit. Es gibt Zeiten, in denen es notwendig ist Langmut auszuüben und Zeiten, in denen die Liebe fordert, dass Langmut zurückgezogen wird. Doch in solchen Fällen wurde guter Wille, selbst wenn Langmut zurückgezogen ist, ausgeübt.

Wir können noch andere Beispiele anführen. Manchmal könnte Freigebigkeit einer Person, wenn sie ihr erwiesen wird, schaden und durch unseren guten Willen ihr gegenüber lehnen wir es deshalb ab, ihr eine Freundlichkeit zu erweisen, die sie wünschen würde. Die Freundlichkeit wird vorenthalten, denn die Liebe verbietet es, dass sie geäußert wird. Hier sehen wir, dass der gute Wille gegenwärtig ist, während die Freigebigkeit abwesend ist. Auch wenn jemand verstockt ist, sollte Vergebung nicht erwiesen werden, denn sie würde der Person schaden, der sie angeboten wird. Der gute Wille verbietet deshalb, wegen seiner Verstocktheit, das Anbieten von Vergebung.

Somit haben wir verschiedene Ausdrücke der Liebe gezeigt, in denen die eine oder die andere ihrer Formen oder verbundenen Gnaden abwesend sind, doch nie der gute Wille fehlt. Deshalb ist der gute Wille das Herz der Liebe. Wenn wir Liebe unseren Nächsten gegenüber haben, müssen wir guten Willen ihnen gegenüber haben. Der gute Wille ist es, der in jedem Ausdruck der Liebe gegenwärtig ist. Sie ist die einzige Eigenschaft, die immer in jedem Ausdruck der Liebe gegenwärtig ist. Deshalb zeigt dies, dass der gute Wille genau das ist, was Liebe ist. Deshalb definieren wir sie so.

„WER IST MEIN NÄCHSTER“

Das Gebot der Liebe zu unserem Nächsten befindet sich in Mt. 22:39: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Die pflichtgemäße Liebe, die wir zu unseren Nächsten haben sollten, ist die gleiche, die wir zu uns selbst haben sollten. Dies erinnert uns an eine alte Frage, die einer der Schriftgelehrten Jesus stellte: „Wer ist mein Nächster?“. Um die brüderliche Liebe zu verstehen, müssen wir verstehen, wer unser Nächster ist. Viele Menschen zogen den falschen Schluss aus der Antwort des Schriftgelehrten auf die nach der Erzählung der Geschichte vom guten Samariter durch Jesus gestellte Frage: „Wer von diesen dreien der Nächste dessen gewesen ist, der unter die Räuber gefallen war?“ Aus der Antwort des Schriftgelehrten meinen viele, dass niemand der Nächste sei ausgenommen der, welcher uns Gutes getan hat. Diese Schlussfolgerung ist falsch und ist Folge des Missverstehens der Umstände.

Lasst uns unsere Sinne hinsichtlich der Situation auffrischen (Lk. 10:25-37): Der Schriftgelehrte, der zu Jesus kam, war ein Jude und als ein Jude glaubte er nicht, dass die Heiden, die in keinem Sinne Juden waren, oder die Samariter, die nur Halbjuden waren, seine Nächsten wären. Jesu Gedanke war es, dass jeder unser Nächster ist, ob er weiß, schwarz, rot, braun oder gelb sei, ob er gebunden oder frei, männlich oder weiblich, Freund oder Feind, Bekannter oder Fremdling, Landsmann oder Ausländer sei. Deshalb erzählte Er eine Geschichte, von der Er wusste, dass sie den Schriftgelehrten zwingen würde, jemanden anzuerkennen sein Nächster zu sein, von dem Er wusste, den dieser jüdische Schriftgelehrte nicht als Nächsten bezeichnen würde. Nachdem Jesus erzählte wie der Priester und der Levit ihren jüdischen Bruder ohne Hilfe zurückließen und wie der Samariter ihm Hilfe leistete, zwang Er den Schriftgelehrten durch die Frage, die Er stellte - „Wer von diesen dreien der Nächste dessen gewesen ist, der unter die Räuber gefallen war?“ – anzuerkennen, dass der Samariter, ein Nichtjude, der Nächste war für den Juden, der unter die Räuber fiel.

In dieser Weise müssen wir in Übereinstimmung mit dem Zusammenhang dieses Gleichnis betrachten. Es zeigt uns, dass jeder, auch ein Fremder oder Ausländer, unser Nächster ist. Somit würden wir als Antwort auf die Frage „Wer ist unser Nächster?“ soweit es die Menschheit betrifft, antworten, dass jeder Sohn und jede Tochter Adams unser Nächster ist; und jeder wahre Christ ist unser Nächster in Christus. Jeder, der durch den Glauben gerechtfertigt ist, ist vom zugerechneten Standpunkt ein menschlicher Sohn Gottes, unser Nächster. Somit sehen wir, dass die Bibel lehrt, dass alle unsere Mitmenschen unsere Nächsten sind. Diese Nächsten sind in drei Klassen eingeteilt: Die Brüder, die Menschen der Welt und unsere Feinde. Folglich sind alle unsere Brüder, alle Menschen der Welt und auch alle unsere Feinde unsere Nächsten.

LIEBEN SEINES NÄCHSTEN WIE SICH SELBST

Die brüderliche Liebe verlangt, dass jemand den Nächsten liebt wie sich selbst. Was bedeutet es, den Nächsten wie sich selbst zu lieben? Dies können wir durch Antworten auf eine andere Frage beantworten. Welcher Grad an Liebe ist es, der im lieben seines Nächsten wie sich selbst enthalten ist? Wir werden diese Frage zuerst negativ beantworten, indem wir zeigen, welcher Grad an Liebe auf diese Weise nicht gemeint ist. Danach werden wir die Frage positiv beantworten, indem wir zeigen, welcher Grad an Liebe auf diese Weise gemeint ist.

An erster Stelle möchten wir die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass lieben des Nächsten wie sich selbst nicht bedeutet ihn von ganzem Herzen, Seele, Verstand und Kraft zu lieben, denn wir sollen uns nicht selbst von ganzem Herzen, Seele, Verstand und Kraft lieben. Wenn irgendjemand sich selbst mit seinem ganzen Herzen, Seele, Verstand und Kraft liebt, macht er sich zu seiner selbst Gott. Deshalb bedeutet es, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben nicht, guten Willen ihm gegenüber mit ganzem Herzen, Seele, Verstand und Kraft zu haben. Es ist wahr, dass manche Menschen einige ihrer Nächsten mit ihrem ganzen Herzen, Seele, Verstand und Kraft lieben. Manche Ehemänner und Ehefrauen tun dies gegenseitig. Manche Eltern und Kinder üben dies zu einander aus und manche Freunde üben dies zu einander aus. Doch dies ist falsch. Ein solcher Grad an Liebe sollte keinem Mitmenschen gegeben werden.

Zum anderen bedeutet es nicht, dass wir verpflichtet sind, unsere Nächsten mehr als uns selbst zu lieben. In der selbstlosen Liebe lieben wir andere mehr als uns selbst, sogar durch Niederlegen des Lebens für sie. Doch in der brüderlichen Liebe sind wir nicht gezwungen, sie mehr als uns selbst zu lieben, denn die brüderliche Liebe ist pflichtgemäße Liebe und es ist nicht unsere Pflicht für andere zu sterben. Das Wort philadelphia , das in 2. Petr. 1:7 mit „brüderlicher Liebe“ übersetzt ist, bedeutet pflichtgemäße Liebe zum Nächsten. Es bedeutet nicht Liebe ausschließlich für die Brüder. Es bedeutet Liebe zu unseren Nächsten, welche die Brüder, die Welt und unsere Feinde sind. Sowohl die pflichtgemäße als auch die selbstlose Liebe sollte allen dieser drei Klassen gegeben werden. Liebe für die Brüder schließt deshalb pflichtgemäße Liebe (brüderliche Liebe) und selbstlose Liebe (Liebe) ein. Von diesem Betrachtungspunkt sehen wir, dass brüderliche Liebe nicht bedeutet unsere Nächsten mehr als uns selbst zu lieben, denn sie ist keine selbstlose Liebe. Selbstlose Liebe wird dies, doch pflichtgemäße Liebe wird dies nicht tun.

An dritter Stelle bedeutet es nicht, dass wir unsere Nächsten weniger als uns selbst lieben sollen. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass die große Mehrheit der Menschen dies tut, so wie eine kleine Minderheit der Menschen ihre Nächsten mehr als sich selbst liebt und denkt, dass sie pflichtgemäße Liebe geben. Unsere Nächsten weniger als uns selbst zu lieben, hieße ihnen Unrecht zu tun.

FALSCHE VORSTELLUNGEN HINSICHTLICH DER GOLDENEN REGEL

Was bedeutet sie dann? Wir antworten, dass Jesus uns auf diese Frage in Mt. 7:12 eine Antwort gegeben hat: „Alles nun, was immer ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, also tut auch ihr ihnen“. Dies ist es, was durch den Ausdruck „Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST“ gemeint ist. Diese auf den Menschen gerichtete Anwendung der Goldenen Regel ist die Erklärung des im Lieben seines Nächsten wie sich selbst beinhalteten Grades der Liebe. Mehr oder weniger Verwirrung herrscht bezüglich dessen vor, was die Goldene Regel bedeutet. Manche Menschen denken, dass alles was unser Nächster möchte, dass wir es ihm tun, wir ihn tun sollen, denn, sagen sie, wir möchten, ihm das tun, was wir für uns möchten. Dies kann nicht die Bedeutung der Goldenen Regel sein, denn der Nächste könnte etwas Schlechtes möchten und die Goldene Regel als Teil der Gerechtigkeit gebietet uns nicht, schlecht zu handeln. Mehr noch, diese Auslegung würde den Willen des Nächsten zu unserem Willen machen, während wir Gottes Willen als unseren angenommen haben. Diese Ansicht würde deshalb unser Weihegelübde verletzen. Deshalb ist dies nicht der richtige Gedanke, obwohl er manchmal als richtige Interpretation der Goldenen Regel gegeben wurde.

Z. B. wurde in einer unserer großen Städte ein Mann zum Bürgermeister gewählt, der Bürgermeister der Goldenen Regel genannt wurde. Dieser Mann versuchte mit bester Absicht in seiner Rolle in dieser Stadt das zu manifestieren, was er dachte, dass es die Goldene Regel ist. Als die Huren und Spieler zu ihm kamen und mit der Vorstellung, dass die Goldene Regel bedeutet, dass wir anderen das tun sollen was sie wünschen würden, dass wir es tun, nach dem Vorrecht das Recht zu verletzen fragten, folgerte er: Dass, wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich mir das Vorrecht wünschen, dass Recht zu verletzen und deshalb werde ich ihnen das gewähren, wonach sie fragen. Somit nahm er ihren Willen als den seinen an. Ihr Wille war ein ungerechter Wille und seine Annahme machte ihn zu einem Ungerechten, d.h. er verletzte seinen Eid, als er dies tat. Aus diesem Grund erkennen wir, dass die Goldene Regel nicht bedeutet, dass wir unserem Nächsten das tun, was immer er wünscht, dass wir es tun.

Lasst uns der Angelegenheit wieder vom negativen Standpunkt nähern. Die Goldene Regel bedeutet nicht, dass jeder unbedingt dem Nächsten alles tun sollte, was er wünscht, dass ihm getan werden sollte, denn sein Sinn könnte schlecht informiert sein und ihm deshalb belehren etwas zu tun zu wünschen was falsch ist. Auch könnte sein Herz unter dem Einfluss der Sünde sein und ihn drängen, für sich Dinge zu tun, die sündig sind. Wir erkennen somit, dass es in jedem Falle für ihn falsch sein würde, seine Wünsche zu haben. Somit bedeutet die Goldene Regel nicht für jeden anderen das zu tun, was sie möchten, dass ihnen getan wird.

Lasst uns ein Beispiel zeigen, wie in dieser Hinsicht der Sinn unter der Leitung des Irrtums, Grund zu Unrecht sein kann. Es gibt viele Menschen, die den Einwand vorbringen, dass alle Christen Auslandsmissionare werden sollten, denn sie selbst wünschten, dass ihre Sünden vergeben werden und deshalb sollen sie wünschen, dass anderen Menschen die Sünden vergeben werden und deshalb sollten sie ihnen das Evangelium bringen. Deshalb schlussfolgern sie, ist es unsere Pflicht, und die Goldene Regel fordert es, Missionare für die Heiden zu werden. Wir lenken die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass das Ergebnis einer solchen Theorie alle Christen aus diesem Land führen und es den Heiden überlassen würde. Es muss einige falsche Schlussfolgerungen in einer Theorie geben, die zu solchen Ergebnisen führt. Viele Menschen sind in einer solchen Lebenssituation, dass sie dies nicht tun könnten und andere haben nicht die notwendigen Talente.

Was ist an dieser Ansicht falsch? Folgendes: Die von einer falschen Grundlage ausgehende Schlussfolgerung, die annimmt, dass Gott jetzt jeden bekehren möchte. Er wünscht diese Dinge nicht jetzt. Er möchte jetzt nur bestimmte Personen bekehren und dass wir uns unter ihnen befinden, gibt uns nicht das Vorrecht anzunehmen, dass wir verpflichtet sind, jeden zur Bekehrung zu bringen. Da wir deshalb sehen, dass es Gottes Plan ist, nur wenige Erwählte aus der Welt zu sammeln, sind wir verpflichtet die Übrigen unter dem Fluch zu lassen. Da aber die Sinne einiger Menschen in dieser Hinsicht im Irrtum sind, schlussfolgern sie hinsichtlich der Pflicht unter der Goldenen Regel falsch. Deshalb bedeutet die Goldene Regel nicht unabdingbar, das was wir möchten, dass uns getan wird, soweit es unsere Wünsche betrifft, wir anderen tun sollten, denn unsere Wünsche könnten in diesem Punkt sündig sein.

Viele Personen möchten sündige Dinge in ihrem Interesse tun, doch dies verlangt nicht von uns, etwas Sündiges in ihrem Interesse zu tun. Mit anderen Worten, so wie wir nicht das tun sollen was unser Nächster sich wünscht, denn dies würde für uns bedeuten, seinen Willen als den unseren anzunehmen. Ebenso wenig sind wir unabdingbar verpflichtet, unserem Nächsten das zu tun was wir wünschen, nur weil wir es möchten, denn dies würde unseren Willen zu unserem eigenen machen und dies wäre eine Verletzung unser Weihung, denn unser Wille kann sündig und selbstsüchtig sein. Wir erkennen deshalb, dass einiges falsch ist an einer solchen Auslegung der Goldenen Regel. Somit schlussfolgern wir, dass die Goldene Regel nicht bedeuten kann, dass das was wir möchten, dass andere uns tun, wir ihnen notwendiger Weise tun sollten.

DIE WAHRE BEDEUTUNG DER GOLDENEN REGEL

Was bedeutet dann die Goldene Regel? Wir antworten, dass der richtige Gesichtspunkt der Bedeutung der Goldenen Regel in unseren Sinnen aufkommt, wenn wir begreifen, dass Jesus sie denen gab, die Seine Jünger waren. Seine Jünger waren diejenigen, die sich selbst bereits Gott übergeben haben. Es ist wahr, dass sie noch nicht geistgezeugt waren, doch sie haben alles verlassen, um Jesus nachzufolgen. Sie haben ihren Willen abgegeben und den Willen des Herrn als ihren eigenen angenommen und sie wünschten nur das, was Gott wünschte, dass sie besitzen sollen. Dies nun gibt uns die richtige Sicht auf die Goldene Regel. „Alles nun, was immer ihr wollt“ - IHR, deren Willen im Willen Gottes niedergelegt ist, ihr, die ihr Gottes Willen zu eurem eigenen gemacht habt und die ihr deshalb nur das möchtet was Gott möchte, das ihr haben sollt - „Alles nun, was immer IHR wollt [mit euren Wünschen, die Gottes Willem Untertan sind], dass euch die Menschen tun sollen“ in Gedanken, Beweggrund, Wort und Tat, wenn ihr an ihrer Stelle wäret, dies tut ihnen in Gedanken, Beweggrund, Wort und Tat.

Wir glauben, dass dies die richtige Auslegung der Goldenen Regel ist. Sie verlangt an erster Stelle von uns, dass unsere Wünsche dem Willen Gottes, Seinem Willen der Gerechtigkeit, untergeordnet sind. Dann, mit unserem dem Willen Gottes untergeordneten Willen, begeben wir uns selbst an die Stelle unseres Nächsten und stellen uns selbst die Frage: Wenn ich an seinem Platz wäre, bereit mit meinem Willen und Wünschen bezüglich der Sache dem Willen Gottes untergeordnet zu sein, was würde ich meinem Nächsten wünschen, dass er mir in Gedanken, Beweggrund, Wort und Tat tut? Dann, sobald die Antwort erfolgt ist, was man unter solchen Umständen wünschen würde, dass der Nächste ihm in Gedanken, Beweggrund, Wort und Tat tut, sollte er dies seinem Nächsten tun.

Dies ist eine ausführbare Regel. Sie ordnet uns nicht den Launen oder Wünschen der Welt oder des Fleisches unter, sondern sie ordnet uns dem unter, dem der christliche Eid untergeordnet sein sollte, dem Willen Gottes. Somit würden wir nur das wünschen, was Gott uns zu haben wünscht. Jedes Mal würde ein solcher sich selbst fragen, was würde ich, mit meinem dem Willen Gottes untergeordneten Willen, meinem Nächsten wünschen, wenn unsere Plätze ausgetauscht wären, dass er mir im Gedanken, Beweggrund, Wort und Tat tut? Sobald dies erkannt ist, ist es die Sache, die wir ihm tun sollten. Dies ist, so glauben wir, die richtige Auslegung der Goldenen Regel.

RICHTIGE WÜNSCHE FÜR SICH SELBST UND ANDERE

Dies ruft eine andere Frage hervor: Welches ist der Wille Gottes bezüglich dessen, was wir unserem Nächsten tun sollten. Oder, um sie in einer anderen Form zu stellen, welches ist der Wille Gottes bezüglich dessen, was wir wünschen sollten, dass uns getan wird, wenn wir an der Stelle unseres Nächsten wären? Was sollten wir, wenn unser Wille dem Willen Gottes untergeordnet ist, wünschen, dass uns getan wird, wenn wir an Stelle unseres Nächsten wären? Ohne ins Einzelne zu gehen, würden wir sagen, dass wir das Recht haben, unserem Nächsten das im Gedanken, Beweggrund, Wort und Tat uns zu tun zu wünschen, was uns die Ausübung unserer unveräußerlichen Rechte, vereinbar mit den Rechten von anderen, gewähren und erhalten würde. Dies ist es was wir vom Herrn begehren könnten, was unser Nächster uns tun sollte. Diese allgemeine Regel bedarf einer Erklärung.

Welches sind unsere unveräußerlichen Rechte? Zweifellos haben wir vor Gottes Tribunal der Gerechtigkeit keinerlei unveräußerlichen Rechte! Durch die Sünde des Vaters Adam gingen alle unsere Rechte vor der göttlichen Gerechtigkeit verloren. Doch wir haben unveräußerliche Rechte unseren Mitmenschen gegenüber, denn Gott hat allen bestimmte unveräußerliche Rechte in ihrer Beziehung untereinander gegeben und wir behalten sie, trotz des Fluchs, in unseren Beziehungen zu einander, es sei denn wir verlieren sie durch Kriminalität der zivilen Regierung gegenüber. Alle unsere Rechte sind deshalb durch Adams Sünde gegenüber der göttlichen Gerechtigkeit verloren gegangen, nicht aber unter einander. Die unveräußerlichen Rechte, die wir in unserer Beziehung unter einander haben, können wir in Einklang mit dem Willen Gottes unserem Nächsten wünschen, um sie vereinbar mit den Rechten anderer, uns gegenüber zu gewähren und zu erhalten.

Welches sind die unveräußerlichen Rechte, die wir in unserer Beziehung zu einander besitzen? Wir antworten: Das Recht unsere physischen, geistigen, künstlerischen, moralischen und religiösen Kräfte und was sie kontrollieren frei, so wie es uns gefällt, auszuüben und in Einklang mit den Rechten anderer das gleiche mit ihren zu tun. Was sind sie? Wir antworten: Sie entsprechen weitgehend unseren Empfindungen des Herzens und Sinnes und das was sie kontrollieren. Bemerke was diese unveräußerlichen Rechte sind:

Wir haben das unveräußerliche Recht, es zu lieben Gott zu verstehen und zu vertrauen, es zu lieben auf zukünftiges Gutes zu hoffen, es zu lieben standhaft zu sein, es zu lieben beharrlich zu sein, es zu lieben das Richtige zu tun gegenüber Gott, es zu lieben das Richtige zu tun gegenüber der Menschheit und es zu lieben gute Grundsätze sowohl für Gott, als auch für den Menschen anzuerkennen. Dies ist unsere religiöse Freiheit und wir haben das unveräußerliche Recht sie auszuüben, in Einklang mit den Rechten unserer Mitmenschen.

Wir haben andere Freiheiten. Wir haben das Recht, eine rechte Meinung von uns selbst zu lieben, die gute Meinung anderer zu lieben, unsere Sicherheit zu lieben, Erholung, Selbstverteidigung, Aggressivität, Geborgenheit, Besitz, Essen, unter bestimmten Umständen das andere Geschlecht, Familie, Freunde, Haus, Heimat, Ordnung, Natur, Kunst, Wissen und unseren Lebenssinn.

Wir haben das unveräußerliche Recht unsere verschiedenen physischen, geistigen, künstlerischen, moralischen und religiösen Fähigkeiten und die sie kontrollierenden Dinge, insoweit andere betroffen sind, vereinbar mit ihren Rechten auszuüben und sie durch unsere physischen Körper auszuüben.

Alle haben diese Rechte. Ist dies der Fall, bedeutet die Goldene Regel, dass gerade wenn wir anderen die Ausübung unserer unveräußerlichen Rechte, die Dinge, die wir gerade erwähnt haben, zugestehen und beibehalten möchten, so sollten wir sie ihnen tun.

Zum Beispiel: Da wir das unveräußerliche Recht haben, die gute Meinung durch andere zu wünschen und uns daran zu erfreuen, außer wenn wir durch Missetat dieses Recht verloren haben, sollten wir unserem Nächsten gewähren, dies uns zu tun und uns zu helfen, die gute Meinung anderer über uns aufrechtzuerhalten. Wir möchten, dass sie vermeiden, dass irgendetwas diese gute Meinung über uns untergräbt und sie solche Dinge tun, die mit den eigenen Rechten und denen anderer vereinbar sind und andere ermutigen würden, eine gute Meinung über uns zu haben. Infolgedessen sollen wir die gleichen Dinge dem Nächsten tun: Ihm diese Rechte, die mit ihren und unseren Rechten vereinbar sind, gewähren und versuchen eine gute Meinung über ihn bei anderen zu gewinnen. Dies sollen wir mit jedem Recht, das wir besitzen, tun. Der Schöpfer möchte, dass wir sie anderen gewähren und andere helfen, sie zu erhalten und auszuüben. Dies nicht zu tun ist ungerecht und ist dem Nächsten nicht das zu tun, was wir mit unserem Gottes Willen untergeordneten Willen, möchten, dass er uns tut, wenn wir an seiner Stelle wären.

Wenn wir in diesem Lichte darauf schauen, erkennen wir, dass die Goldene Regel ein zweckmäßiges Gebot ist. Sie ist auf die Rechte aller Beteiligten gegründet. Sie erhält und gewährt jedem seine Rechte und ist ein Gesetz der Gerechtigkeit, des Rechts, das unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen regiert. Darum, wenn es verletzt wurde, ist Unrecht geschehen und Sünde begangen worden. Wir hoffen, dass diese Auslegung der Bedeutung des Liebens des Nächsten wie sich selbst, uns geholfen hat, eine deutlichere Sicht auf die Angelegenheit zu erlangen. Es gibt so viel Verwirrung in den Sinnen so vieler Menschen was das Lieben des Nächsten wie sich selbst bedeutet, dass wir bei der Erklärung so ins Detail gingen.

BRÜDERLICHE LIEBE IST VERNÜNFTIG

Nachdem wir erkannt haben, was mit brüderlicher Liebe gemeint ist, z.B. das Lieben des Nächsten wie sich selbst, sind wir bereit einen anderen Gedankengang zu betrachten: Ihre Vernünftigkeit. Ist es vernünftig, dass wir unsere Nächsten wie uns selbst lieben sollen? Ihre Vernünftigkeit bestreiten einige theoretisch, die meisten praktisch. Leider, gibt es nur wenige, die mit ihren Gottes Willen untergeordneten Willen ihren Nächsten das tun, was sie ihren Nächsten wünschen würden, dass sie ihnen in Gedanken, Beweggrund, Wort und Tat tun! Die Person, die ihre Vernünftigkeit bestreitet, zeigt auf diese Weise sowohl durch Gedanken, als auch durch Beweggrund, Wort und Tat, dass sie gefallen und in Herz und Sinn verdorben ist.

Warum ist brüderliche Liebe vernünftig? Wir antworten: Sie ist die einzige Eigenschaft, die Gerechtigkeit allen Betroffenen sichern kann. Alle Menschen haben bestimmte gemeinsame unveräußerliche Rechte. Sie sind ständig miteinander in Verbindung und in ihrer Verbindung untereinander üben sich diese Rechte selbst aufeinanderprallend aus und wenn jeder seine Rechte haben möchte, wird er entsprechende Rechte anderen zugestehen und erhalten. Denn wie könnte jemand die Ausübung seiner unveräußerlichen Rechte, mit den Rechten anderer vereinbar, verlangen, wenn er nicht die gleichen ihnen gewährt und erhält? Dies könnte nicht getan werden! Damit jeder seine unveräußerlichen Rechte vereinbar mit den Rechten anderer ausüben kann, muss er die gleichen den anderen gewähren und erhalten. Er könnte nicht vernünftigerweise fordern, dass seine Rechte gewährt und erhalten werden, wenn er nicht in gleicher Weise mit ihren handeln würde. Die Goldene Regel ist keineswegs ein willkürliches Recht. Es stammt von moralisch frei Handelnden und ist ihren Notwendigkeiten angepasst. Es unterliegt, regelt richtig und passt die Beziehungen derjenigen untereinander an, die die gleichen unveräußerlichen Rechte haben. Sie ist die einzige Eigenschaft, die allen die Ausübung ihrer Rechte sichern wird, was ihre Vernünftigkeit demonstriert.

Die Aussage „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft“ ist die Goldene Regel bezüglich Gott, während die Aussage: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ die Goldene Regel bezüglich der Menschen ist. Die Goldene Regel bezüglich der Menschen ist der Gipfel der Weisheit zur Regulierung des menschlichen sozialen Verhaltens. Gäbe es außer der Goldenen Regel sonst nichts in der Bibel, wäre es Beweis genug, dass die Bibel von Gott ist, denn es wäre für einen Sinn, der keine Allwissenheit hat, unmöglich eine Regel ins Leben zu rufen, die gemäß den Grundzügen der Gerechtigkeit, jeden in all den komplizierten Umständen des Lebens befähigt. Wie erstaunlich ist die Weisheit Gottes, die eine so kurze und trotzdem so vollständige Verhaltensregel, insofern der Mensch, um seinen Mitmenschen gerecht zu werden, betroffen ist, für jede Beziehung des menschlichen Lebens formte! Diese Regel findet auch auf alle anderen moralisch frei Handelnden der Schöpfung Gottes Anwendung. Dies ruft gewiss nach unserer Dankbarkeit, Wertschätzung, Verehrung, Anbetung und Lobpreisung Gottes!

DIE ELEMENTE DER BRÜDERLICHEN LIEBE

Lasst uns einen weiteren Gedankengang, der mit unserem Thema verbunden ist, studieren: Die Elemente der brüderlichen Liebe. Welches sind die Elemente der brüderlichen Liebe? Wir antworten, die brüderliche Liebe hat drei Elemente: Wertschätzung, Sympathie oder Mitleid (je nachdem der Fall es erfordert) und Dienst. Dies sind auch die Elemente der Liebe. Was ist dann der Unterschied? Der Unterschied besteht, insoweit Wertschätzung und Sympathie betroffen sind, in den Beweggründen, der Qualität und Quantität und insoweit der Dienst betroffen ist, in den Beweggründen, der Qualität, Quantität und dem Ergebnis der gemachten Dinge. Beachte die Unterschiede:

Zunächst bezüglich der Wertschätzung der brüderlichen Liebe und der Liebe. In der Wertschätzung der brüderlichen Liebe loben wir einander für das Gute, welches er hat oder haben wird, denn wir möchten, dass er uns für das Gute lobt, dass wir haben oder haben werden. Doch in der Wertschätzung der Liebe loben wir eine Person nicht deshalb, weil wir möchten, dass sie uns lobt, sondern allein wegen unserer Freude an guten Prinzipien. Deshalb schätzen wir seinen Charakter, getrennt von jeglichem Guten, das er uns tun könnte, wegen des Guten, das er hat oder haben wird. Somit erkennen wir, dass der Unterschied im Beweggrund, der Qualität und Quantität besteht.

In der brüderlichen Liebe gibt es einiges Selbstsüchtiges. In der selbstlosen Liebe gibt es nichts Selbstsüchtiges. Es gibt nichts sündiges Selbstsüchtiges in der pflichtgemäßen Liebe, aber es gibt natürliche Selbstsucht. Deshalb hatten, als menschliche Wesen, Adam vor dem Fall und Jesus immer eine natürliche, doch nicht sündige, Selbstliebe. Die gleiche Erklärung der Goldenen Regel beweist, dass sie natürliche Selbstsucht gutheißt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Folglich gibt es etwas Eigennütziges in der pflichtgemäßen Liebe. Wir lieben Gott in der Liebe der Frömmigkeit mit unserem ganzen Herzen, Seele, Sinn und Kraft, weil Er uns Gutes getan hat. Wir erkennen, dass hier etwas Selbstsucht sichtbar wird. Doch in der selbstlosen Liebe gibt es nichts Selbstsüchtiges. Sie entspringt ausschließlich der Freude an guten Prinzipien. Sie hat Wertschätzung für diejenigen, die in Einklang mit guten Prinzipien sind.

Lasst uns auf die Sympathie und das Mitleid der brüderlichen Liebe und der Liebe schauen und sie gegenüberstellend werden wir erkennen, dass der Unterschied im Beweggrund, der Qualität und Quantität besteht. Wir sympathisieren mit den Brüdern wegen ihrer Mängel, Fehler und Unreife weil wir möchten, dass sie mit uns sympathisieren. Wir haben Mitleid mit der Welt und unseren Feinden wegen ihrer Mängel, Fehler und Schwächen weil wir möchten, dass sie Mitleid mit unseren Mängel, Fehlern und Schwächen haben. Hierin gibt es nichts Sündiges, aber natürlich Selbstsüchtiges. So ist es aber nicht mit der selbstlosen Liebe. Wegen unserer Freude an guten Prinzipien sympathisieren wir mit den Brüdern was ihre Mängel, Fehler und Schwächen angeht, denn diese stellen sie in einem gewissen Maße außerhalb der Einklang mit guten Prinzipien, bewirken, dass sie ermangeln die höchste Anerkennung von Gott, Christus und denen, die mit Ihnen im Einklang sind, zu erlangen, dass sie Satans Misshandlungen und vielen Leiden untergeordnet sind und es ihnen schwierig macht zu überwinden. Ähnlich haben wir aus Freude an guten Prinzipien Mitleid mit unseren Feinden und der Welt da ihre Mängel, Fehler und Schwächen sie außerhalb des Einklangs mit guten Prinzipien stellen, sie der Missbilligung Gottes, Christi und derjenigen, die im Einklang mit Ihnen sind, dem Todesurteil, Satans Misshandlungen und vielen Schwierigkeiten unterstellen und es ihnen schwer machen wird zu überwinden, wenn sie auf die Probe zum Leben gestellt werden. In einer solchen Liebe gibt es überhaupt nichts Selbstsüchtiges. Deshalb sympathisieren wir mit den Brüdern und haben Mitleid mit der Welt und unseren Feinden, da sie nicht im Einklang mit guten Prinzipien sind.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Dienst der brüderlichen Liebe und dem Dienst der Liebe. In der brüderlichen Liebe, aus unserer Liebe zum Nächsten wie zu uns selbst, in Wertschätzung und Sympathie oder Mitleid finden wir Freude am Dienst für sie, denn wir möchten, dass sie uns dienen. Eine solche Liebe wird uns nicht dazu bewegen unser Leben für sie niederzulegen. Hier kommt natürliche nicht aber sündige Selbstsucht zum Vorschein. Was wir möchten, dass sie uns tun, tun wir ihnen. Doch die Liebe offenbart sich im Dienst wie folgt: Aus Freude an guten Prinzipien, aus Liebe zum Guten, das sie haben und erlangen werden, in Wertschätzung und Sympathie oder Mitleid freuen wir uns, das Leben als Opfer im Interesse solch guter Prinzipien zum Segen der Brüder, der Welt und unserer Feinde niederzulegen. Hier ist der Unterschied ein vierfacher: Im Beweggrund, Qualität, Quantität und Ergebnis. Aus Freude an guten Prinzipien erweisen wir ihnen diese Liebe und sie nimmt die Form eines Opfers an, das sich freut, das Leben niederzulegen. Doch in der pflichtgemäßen Liebe würden wir nie das Leben für andere niederlegen. In der Liebe oder der selbstlosen Liebe tun wir es. So ist es in dem einen Fall ein Dienst, der kein Opfer ist und im anderen Fall ein Dienst, der ein Opfer ist. Beide Formen der Liebe – der Gerechtigkeit und Liebe – haben diese drei Elemente: Wertschätzung, Sympathie oder Mitleid (je nachdem der Fall es erfordert) und Dienst. Die ersten beiden unterscheiden sich im Beweggrund, der Qualität und Quantität. Das letzte unterscheidet sich im Beweggrund, der Qualität, Quantität und im Ergebnis. Die eine wird sich nicht doch die andere wird sich selbst bis zum Tod opfern.

DIE FUNKTION DER BRÜDERLICHEN LIEBE

Wir möchten jetzt die Aufmerksamkeit auf die Funktion der brüderlichen Liebe lenken. Was beabsichtigt die brüderliche Liebe zu tun? Wir erkennen, dass jede uns von Gott gegebene Gnade beabsichtigt ihre eigene Funktion zu erfüllen. Der Glaube ist uns gegeben, damit wir eine geistige Wertschätzung von und ein Vertrauen im Herzen zu Gott und Christus haben können. Diese Dinge zu tun, ist ihre Funktion. Die Hoffnung hat eine eindeutige Funktion, z.B. um uns hinsichtlich des Erwartens und Begehrens von zukünftigem Gutem zu ermutigen. So hat die Liebe eine andere Funktion. Die Demut hat eine noch andere Funktion. Somit hat jede Gnade ihre eigene besondere Funktion.

Welche ist dann die Funktion der brüderlichen Liebe? Sie soll uns befähigen, was unserem Nächsten rechtmäßig zusteht zu erweisen. Sie ist es deshalb, die den Ehemann befähigt der Ehefrau das ihr Zustehende zu leisten. Sie ist es, welche die Ehefrau befähigt, dem Ehemann das ihm Zustehende zu leisten. Sie ist es, die Eltern befähigt, den Kindern das ihnen Zustehende zu leisten. Sie ist es, die Kinder befähigt, den Eltern das ihnen Zustehende zu leisten. Sie ist es, die den Freund befähigt, seinem Freund das ihm Zustehende zu leisten. Sie ist es, die den Arbeitgeber befähigt, seinem Arbeitnehmer das ihm Zustehende zu leisten. Sie ist es, die den Arbeitnehmer befähigt, seinem Arbeitgeber das ihm Zustehende zu leisten. Sie ist es, die den Herrscher befähigt, seinen Untertanen das ihnen Zustehende zu leisten. Sie ist es, die Untertanen befähigt, ihrem Herrscher das ihm Zustehende zu leisten usw. Somit hat die Goldene Regel folgende Funktion: Uns zu befähigen, jedem seine unveräußerlichen Rechte zu leisten. Sie hat somit eine wichtige Funktion.

VERSCHIEDENE STUFEN DER BRÜDERLICHEN LIEBE

Als nächstes soll die Veränderlichkeit, insoweit es ihre Stufe und ihren Ausdruck betrifft, der brüderlichen Liebe diskutiert werden. Um die Notwendigkeit dafür zu verstehen, lenken wir die Aufmerksamkeit zuerst auf die Tatsache, dass es Nächste von verschiedener Art gibt. Wir haben einige Nächste, die uns näher sind als andere Nächste. Wegen der verschiedenen Stufen von Nähe des Nächsten muss unser Verhalten verschieden sein. Die unmittelbaren Nächsten sind der Ehemann und die Ehefrau. Die folgenden Eltern und Kinder, die folgenden Brüder und Schwestern, die folgenden Großeltern und Enkel, die folgenden Tanten und Onkel einerseits und Nichten und Neffen andererseits, dann Vetter, dann Freunde, dann Bekanntschaften, dann Fremde aus dem eigenen Land, dann Fremde aus anderen Ländern. Dies sind die verschiedenen Stufen der Nähe von Nächsten in Adam.

Auch vom Betrachtungspunkt der Familie Gottes gibt es Nächste mit verschiedenen Stufen von Nähe. Der unmittelbare dieser Nächsten ist Gott und der abrahamitische Bund, der in den Dienern der Wahrheit zur Personen wird. Bildlich gesprochen sind sie Ehemann und Ehefrau (Jes. 54:5). Die folgenden Nächsten sind die Eltern und Kinder in der göttlichen Familie (Röm. 8:14, 16; Jes. 54:13; Gal. 4:19, 26-31), danach die treuen Brüder in Christus, dann die Große Schar, dann die nicht vom Geist gezeugten Geweihten, dann die gerechtfertigten und nominellen Christen, dann die Juden, dann die Mohammedaner und schließlich die Heiden. Somit gibt es bezüglich der Familie Gottes so wie bezüglich der Familie Adams verschiedene Stufen der Nähe der Nächsten.

Es gibt einige Menschen, die mit der Begründung etwas gegen die Goldenen Regel haben, in dem sie sagen, dass sie verlangt, jeden gleich zu lieben. Dies ist ein völliges Missverständnis. Die Goldene Regel verlangt nicht, dass wir jeden gleich lieben. Im Gegenteil sie verbietet, dass wir jeden gleich lieben. Je näher unser Nächster ist, umso mehr sind wir verpflichtet, ihm Gutes zu geben und zu zeigen. Aus diesem Grunde sollten Ehemann und Ehefrau sich einander mehr lieben und einander besser behandeln, als sie irgendeine andere Person lieben und behandeln sollten. Eltern und Kinder sollten sich einander gerade eine Stufe weniger lieben und sollten einander besser behandeln als irgendjemand anderen außer Ehemann und Ehefrau. Auf diese Weise sollten wir unsere brüderliche Liebe gemäß den verschiedenen Stufen der Nähe unserer anderen Nächsten variieren.

Unter der falschen Voraussetzung die Goldene Regel verlangt von uns, dass wir jeden gleich lieben und behandeln, könnten manche Menschen fordern, dass wir sie und die ihren so lieben, stützen und für sie so sorgen wie wir unsere Ehemänner, Ehefrauen und Kinder lieben, stützen und für sie sorgen. Aus verschiedenen Gründen erkennen wir, dass wir dies nicht tun können. Unsere Charaktere verbieten uns, jeden gleich zu lieben und zu behandeln. Auch haben wir nicht die Mittel es zu tun. Es muss deshalb etwas falsch an der Interpretation sein, da es unmöglich ist, sie zu praktizieren. Lasst uns eine Illustration untersuchen und aus ihr erkennen, worin der Fehler dieser Behauptung, dass wir jeden gleich lieben und behandeln, liegt.

Lasst uns annehmen, dass Herr A nur 1,00 € hat, dass er eine Ehefrau und zwei Kinder hat, die hungrig sind. Sein 1,00 € wird kaum ausreichend Essen beschaffen, um ihren Hunger für kurze Zeit zu stillen. Lasst uns weiter annehmen, dass ein Fremder, Herr B, zu Herrn A kommt und ihm sagt: „Herr A, liebst du mich wie dich selbst?“ Herr A antwortet: „Ja, Herr B, ich liebe Sie wie mich selbst“: Sagt

Herr B zu Herrn A: „Meine Frau und meine beiden Kinder sind zu Hause hungrig. Ich habe weder Arbeit noch Geld. Können Sie mir nicht etwas für sie geben? Ich denke für ungefähr 1,00 € könnte ich ausreichend Essen bekommen, um ihren Hunger zeitweise zu stillen. Können Sie mir 1,00 € geben?“ Sagt Herr A zu Herrn B: „Ich habe Sympathie mit ihnen Herr B, aber meine Frau und Kinder sind in genau den gleichen Umständen wie ihre und alles was ich habe, ist 1,00 €. Ich kann Ihnen den nicht geben, der für sie gebraucht wird.“ Angenommen Herr B würde dann sagen: „Ich dachte, Sie sagten, Sie lieben mich wie sich selbst. Wenn Sie das tun, sollten Sie bereit sein, ihn für meine Familie zu geben, anstatt ihn für Ihre Familie zu behalten.“ Herr A würde, wenn richtig informiert, antworten: „Ich liebe Sie wie mich selbst als ein Fremder“. „Was meinen Sie damit?“ fragt Herr B. Herr A erwidert: „Ich meine folgendes: wenn ich ein Fremder für Sie wäre und mein Wille dem Willen Gottes untergeordnet ist, würde ich wünschen, dass Sie mir als einem Fremden das in Gedanken, Beweggrund, Wort und Tat tun was Gott wünschen würde, dass Sie mir tun sollen. Welches ist der Wille Gottes in dieser Angelegenheit? Gott hatte mir gesagt, dass ich zuerst für die Meinen sorgen soll (1. Tim. 5:8). Obwohl ich Sie wie mich selbst liebe, ist es wie einen Fremden und Ihre Frau und Ihre Kinder sind wie die Frau und Kinder eines Fremden und nicht wie meine Frau und Kinder. Gott hatte mir gesagt, dass Er möchte, dass ich zuerst die Meinen versorge und danach, wenn möglich, die anderen. Deshalb muss mein Wille, der in dieser Sache dem Willen Gottes untergeordnet ist, meine erste Pflicht erfüllen, d.h. für die Meinen zu sorgen. Deshalb muss ich diesen 1,00 € gebrauchen, um für meine Frau und meine Kinder zu sorgen, so sehr ich auch meine nachfolgende Unfähigkeit bedaure, Ihnen und den Ihren zu helfen.“

Lasst uns den Trugschluss der Behauptung von Herrn B bemerken. Herr A müsste sich selbst fragen: „Wenn ich für Herrn B ein Fremder wäre und seine Frau und Kinder hungrig wären und er hätte 1,00 €, gerade genug, um sie zu ernähren, würde ich mit meinen Gott untergeordneten Willen, ihn bitten mir seinen 1,00 € zu geben? Gott möchte, dass er zuerst für die seinen sorgt. Und ich kann nicht, wenn ich dem Willen Gottes untergeordnet bin, ihn bitten, etwas mir zu geben, was Gott möchte, dass er seiner Frau und seinen Kindern gibt. Die brüderliche Liebe verlangt deshalb nicht von mir, seine Familie so zu lieben und zu behandeln wie meine eigene.“

Somit erkennen wir, dass die brüderliche Liebe verlangt, dass wir uns an die Stelle unseres Nächsten stellen und fragen: „Was sollten wir, da unsere Willen dem Willen Gottes untergeordnet sind, von ihm unter diesen Umständen für uns selbst wünschen?“ Wir erkennen deshalb, dass sie nicht von uns verlangt, jeden gleich zu behandeln. Im Gegenteil sie verbietet uns, dies zu tun, denn unser Wille, der dem Willen Gottes untergeordnet ist, würde ein solches Handeln nicht gut heißen. Deshalb ist die Goldene Regel veränderlich in ihrer Anwendung. Die Veränderlichkeit der Goldenen Regel verlangt von uns, andere im Verhältnis ihrer Nähe zu uns als Nächste zu lieben und zu wirken. Je näher die Nächsten uns sind, um so mehr müssen wir sie lieben und für sie tun. Je weniger nahe sie uns als Nächste sind, um so weniger müssen wir sie lieben und für sie tun.

DIE VORTEILE DER BRÜDERLICHEN LIEBE

Als nächstes möchten wir die Vorteile der brüderlichen Liebe erörtern. An diesem Punkt werden wir sehr kurz sein. Wir werden vier Vorteile hervorheben. Einer ist ein negativer Vorteil: Die Verletzung der brüderlichen Liebe, die großes Leid nach sich zieht, ist ein Beweis durch Vergleich für die Vorteile der brüderlichen Liebe. Als das bemerkenswerteste Beispiel in der gesamten Geschichte in dieser Hinsicht kann der Weltkrieg mit seinen beiden Phasen angeführt werden. Wäre die Goldene Regel durch die Nationen in ihren Beziehungen zu einander nicht so verletzt worden, hätte dieser schreckliche Krieg, in dem viele Millionen Menschen getötet und zu Krüppel gemacht wurden, nie stattgefunden. Somit erkennen wir, dass die Verletzung der Goldenen Regel, die zu solchen Unglücken führt, durch Vergleich die Vorteile der Goldenen Regel beweist.

Als einen zweiten Vorteil können wird vorbringen, dass die Praxis der Goldenen Regel die Menschen von vielen Übeln in ihren Beziehungen zu einander abhält. Die Menschen, welche diese Regel praktizieren, vermeiden viel Unglück und Misshandlung und viele Verluste und Unzufriedenheit, die andere erfahren, welche die Goldene Regel in ihren Beziehungen zu anderen verletzen. Sie befähigt uns somit, dem Bösen zu entgehen, welches andere erleiden, welche die Goldene Regel nicht einhalten.

Als dritter Vorteil kann genannt werden, dass ein treues Befolgen der brüderlichen Liebe, die Menschen zur Weihung verhilft. Auf diese Weise wird man an die Stelle geführt, an der die selbstlose Liebe den Platz der pflichtgemäßen Liebe einnimmt. Durch das Verschmelzen von Frömmigkeit und brüderlicher Liebe zur selbstlosen Liebe, durch die Mitwirkung eines weihenden Glauben, wird man zur Weihung veranlasst. Auf diese Weise trägt ihre Mithilfe zur Weihung bei.

Lasst uns auf die zur Vollkommenheit wiederhergestellte Erde und die gesegnete und in alle Ewigkeit glückliche Menschheit schauen. Wir erkennen darin einen vierten Vorteil der brüderlichen Liebe. Was wird den Menschen helfen miteinander glücklich zu sein? Jeder, der seinen Nächsten wie sich selbst liebt, jeder, der die Rechte seines Nächsten anerkennt und bewahrt, gerade so als ob seine eigenen Rechte durch seinen Nächsten anerkannt und bewahrt würden, wird sie in ihren Beziehungen zueinander für immer glücklich machen. Dies ist ein vierter Vorteil der brüderlichen Liebe.

DIE ENTWICKLUNG DER BRÜDERLICHEN LIEBE

Dies führt uns in unserer Betrachtung dieser Angelegenheit zu einem weiteren Gedankengang: Der Entwicklung der brüderlichen Liebe. Wie können wir sie entwickeln? Wir antworten: Es gibt insbesondere zwei Wege, die für uns von großem Vorteil bei ihrer Entwicklung sein werden. Erstens eine besondere und zweitens eine allgemeine Methode zur Entwicklung des Guten: Der Unterordnung unserer Herzen und Sinne unter den Einfluss des Wortes Gottes durch Festhalten ihrer relevanten Teile in ihnen, in diesem Falle solcher Teile, die zur Goldenen Regel und brüderlichen Liebe gehören. Und so wie wir an ihnen festhalten, werden sie uns zeigen, welches der Wille Gottes ist und uns befähigen, uns selbst ihrem Einfluss unterzuordnen. Sie werden uns zeigen, wie wir unseren Nächsten gegenüber in der pflichtgemäßen Liebe denken, fühlen und handeln sollen. Diese Methode verbunden mit der siebenten allgemeinen Methode zur Entwicklung des Guten, welche das Ausüben in der Entwicklung des Guten ist, wird uns wahrscheinlich am meisten helfen, die brüderliche Liebe zu entwickeln.

Lasst uns kurz diesen Methoden widmen. Lasst uns annehmen, dass ein Ehemann die Goldene Regel bezüglich seiner Ehefrau ausüben möchte und deshalb brüderliche Liebe ihr entgegen entwickelt. Wie sollte er vorgehen? Er sollte sich selbst an die Stelle seiner Ehefrau stellen und sich selbst die Frage stellen: „Was würde ich mit meinem in dieser Angelegenheit dem Willen Gottes untergeordneten Willen von meiner Ehefrau wünschen mir in Gedanken, Beweggrund, Wort und Tat zu tun, wenn sie mein Ehemann und ich ihre Ehefrau wäre? Welches wäre der Wille Gottes für mich, den ich in dieser Beziehung begehren sollte? Es ist der Wille Gottes, dass der Ehemann, sie liebt, ehrt, umsorgt, begleitet, ihr vertraut, sie beschützt, stützt und mit ihr als Haupt der Ehefrau handelt. Diese Dinge sind es, die Gott möchte, dass ich sie als Ehefrau meinem Ehemann wünschen würde, dass er sie mir tut.“ Dann sollte der Ehemann sagen: Da ich mit meinem dem Willen Gottes untergeordneten Willen möchte, dass meine Ehefrau diese Dinge mir tut, wenn ich an ihrer Stelle wäre, werde ich sie ihr tun. Ich werde sie lieben, ehren, umsorgen, begleiten, ihr vertrauen, sie beschützen, stützen und als ihr Haupt handeln. Ich werde als das Haupt die Führung der Familie annehmen.“ Dann sollte er diese Gedanken in seinem Herzen und Sinn festhalten und sich ihren Einfluss unterordnen und brüderliche Liebe ihr gegenüber ausübend, wird er sie seiner Ehefrau gegenüber entwickeln.

Andererseits, was sollte die Ehefrau tun, wenn sie brüderliche Liebe ihrem Ehemann gegenüber entwickeln möchte? Sie sollte sagen: „Was möchte ich, mit meinem dem Willen Gottes untergeordneten Willen, dass mein Ehemann mir tut, wenn ich an seiner Stelle wäre?“ Sie sollte fragen: „Welches ist der Wille Gottes, den die Ehefrau ihrem Ehemann tun sollte? Gottes Wille ist es, dass die Ehefrau ihren Ehemann liebt, respektiert, pflegt, begleitet, vertraut, schützt und gehorcht.“ Deshalb sollte sie sagen: „Da ich möchte das meine Ehefrau diese Dinge mir tut, wenn ich an Stelle meines Ehemanns wäre, werde ich sie meinem Ehemann tun.“ Mit diesen passenden Teilen des Wortes Gottes, die ihren Sinn und Herz bewahren und sie selbst ihrem Einfluss unterordnen, wird sie, durch die in ihr Herz und in ihren Sinn gelegten Kräfte, brüderliche Liebe ihrem Ehemann gegenüber entwickeln. Indem sie sich darin selbst übt, wird sie brüderliche Liebe ihrem Ehemann, der ihr nahester Nächster ist, gegenüber in zunehmendem Maße entwickeln.

Brüderliche Liebe ist auch zwischen Eltern und Kinder anwendbar. Wie sollten die Eltern brüderliche Liebe ihren Kindern gegenüber entwickeln? Der Elternteil sollte sagen: „Was würde ich, mit meinem dem Willen Gottes untergeordneten Willen, meinen Kindern wünschen, das sie mir tun, wenn ich an ihrer Stelle und sie an meiner wären? Ich würde ihnen wünschen, mir das zu tun, welches der Wille Gottes für sie ist, das sie mir tun sollen.“ Welches ist nun der Wille Gottes in dieser Beziehung für sie. Es ist der Wille Gottes, dass die Eltern, die ihre Kinder zur Welt gebracht haben, sie auch lieben, Gemeinschaft mit ihnen haben, sie versorgen, sich um sie kümmern, sie trainieren, sie vorbereiten und ein Erbe für meine Kinder zurücklassen.“ Die Eltern, die diese Gedanken in ihren Sinnen und Herzen bewahren und sich selbst ihnen unterordnen, werden so brüderliche Liebe ihren Kindern gegenüber entwickeln. Sich selbst dann hierin immer mehr übend, werden sie ihre brüderliche Liebe ihren Kindern gegenüber vergrößern.

Was sollten die Kinder hinsichtlich der Ent- wicklung der brüderlichen Liebe ihren Eltern gegenüber tun? Das Kind sollte fragen: „Was würde ich, da mein Wille dem Willen Gottes untergeordnet ist, wenn ich an Stelle meiner Eltern und sie an meiner wären, meinem Kind wünschen, dass es mir tut? Ich würde meinem Kind das zu tun wünschen, was Gott möchte, dass es mir tut. Was möchte Gott, dass die Kinder ihren Eltern tun? Gott möchte, dass das Kind seinen Eltern gehorsam ist, ihnen vertraut, sie ehrt, liebt und entschädigt. Deshalb werde ich meinen Eltern gehorsam sein, ihnen vertrauen, sie ehren, lieben und entschädigen.“ Herz und Sinn dem Einfluss dieser Gedanken unterordnend, indem sie in ihren Herzen und Sinnen daran festhalten, werden sie brüderliche Liebe ihren Eltern gegenüber entwickeln. Sich selbst dann hierin immer mehr übend, werden sie in dieser Eigenschaft immer mehr wachsen.

Noch ein Wort zur Beziehung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Der Arbeitgeber, der die Goldene Regel seinen Arbeitnehmern gegenüber praktizieren und somit brüderliche Liebe ihnen gegenüber entwickeln möchte, würde sich selbst die Frage stellen: „Was würde ich, da mein Wille in dieser Angelegenheit dem Willen Gottes untergeordnet ist, meinen Arbeitnehmern wünschen mir zu tun, wenn ich an ihrer Stelle und sie an meiner wären? Ich würde meinem Arbeitgeber wünschen, mir einen Lohn zu geben, der mich befähigen würde, angemessen für die Meinen zu sorgen, der mir einen meinen Lebensumständen angepassten vernünftigen Grad des Wohlergehens gibt und mir einen ausreichenden Lohn oder Rente gibt, um für schlechte Zeit vorzusorgen. Ich würde meinem Arbeitgeber wünschen, mir Arbeitsbedingungen zu bieten, die der Gesundheit, der Sicherheit und dem Leben förderlich sein würden. Ich würde meinem Arbeitgeber wünschen, mir Beschäftigungszeiten zu geben, die es mir ermöglichen würden, etwas Zeit, gesondert von der notwendigen Ruhezeit, zur Entwicklung des Herzens und Sinnes zu haben.“

So würde ein Arbeitgeber, dessen Willen Gottes Willen untergeordnet ist, vernünftig denken. Aus diesem Grunde sollte er sagen: „Ich werde diese Dinge meinen Arbeitnehmern tun. Ich werde zusehen, dass sie einen Lohn erhalten, der sie befähigen wird, in einem solchen Grad des Wohlergehens zu leben, der in Einklang mit ihren Lebensumständen ist, dass sie Arbeitsbedingungen haben, die der Gesundheit, der Sicherheit und dem Leben förderlich sind und dass sie eine solche Arbeitszeit haben, die ihnen genügend freie Zeit zur Entwicklung des Herzens und Sinnes wie auch notwendige Ruhe gibt. Deshalb werde ich diese Dinge für meine Arbeitnehmer tun.“ Diese Gedanken in seinem Herzen und Sinn festhaltend und sich ihrem Einfluss selber unterordnend, wird er hierin brüderliche Liebe entwickeln. So wie er fortfährt sich selbst darin zu üben, wird er sie immer mehr entwickeln.

Andererseits, wie können Arbeitnehmer brüderliche Liebe ihren Arbeitgebern gegenüber entwickeln? Er sollte folgendermaßen fortfahren, sagend: „Was würde ich, mit meinem in dieser Sache Gottes Willen untergeordnetem Willen, meinem Arbeitgeber für mich zu tun wünschen, wenn ich an seiner Stelle und er an meiner wäre? Ich würde wünschen, ihn selbst gewinnbringend für mich zu machen, an seiner Arbeit zu meinem Profit interessiert zu sein. Ich würde wünschen, dass er versucht, mein Geschäft wachsen zu lassen. Ich würde wünschen, dass er mir den bestmöglichen Einsatz gibt, der mit seinen unveräußerlichen Rechten vereinbar ist. Ich würde ihm wünschen, dass er ein Wohlwollen mir gegenüber unter seinen Mitarbeitern verbreitet, sodass alles harmonisch in unserer gegenseitigen Beziehung wirken kann. Deshalb werde ich diese Dinge für meinem Arbeitgeber tun.“ Somit diese Gedanken in seinem Herzen und Sinn festhaltend und sich selbst ihrem Einfluss unterordnend, wird er erkennen, dass sie nach und nach die Eigenschaft der brüderlichen Liebe gegenüber seinem Arbeitgeber in seinem Herzen prägen werden. Und so wie er fortfährt, sich selbst darin zu üben, wird er in dieser Eigenschaft wachsen.

So werden diese Prinzipien in jeder Lebenssituation angewendet werden. Die Goldene Regel wird, wenn sie ausgeübt wird, in der Tat ein Segen für das Volk Gottes und die gesamte Menschheit sein.

DIE ERPROBUNG DER BRÜDERLICHEN LIEBE

Noch ein Wort zur Erprobung der brüderlichen Liebe. Sie muss eine Erprobung durchmachen. Sie wird durch alle Mittel geprüft werden, die der Vater zur Prüfung Seines Volkes gebraucht. Sie wird durch Verluste, Verzögerungen, Einschränkungen, Beiseiteschieben, Enttäuschungen, Fehler von uns und anderen, Missverständnisse, Versäumnisse, Not, Notwendigkeiten, Schwierigkeiten, Opposition und Leiden geprüft. Wir werden alle diese Erprobungen in unserem Kontakten mit unseren Nächsten erfahren. Satan wird Eingebungen zulassen, die Wege zur Entbindung von diesen Schwierigkeiten durch Verletzen der Goldenen Regel suggerieren: „Tu dem Nächsten was du nicht möchtest, dass er dir tut, oder versage ihm das, was du nicht möchtest, dass er dir versagt.“ Wenn wir uns diesen Beeinflussungen unterwerfen, werden wir die Goldene Regel verletzen.

Der Herr wird Drangsale durch diese verschiedenen Erfahrungen zulassen, die uns schwer bedrücken und uns eine Gelegenheit geben, um zu beweisen, ob wir lieber diese Dinge erdulden würden als die brüderliche Liebe zu verletzen, um Befreiung von ihnen zu erlangen. Ungeachtet dessen wie viel es uns kostet, lasst uns das Rechte unserem Nächsten tun. Obwohl diese Dinge starkes Leid bewirken, von dem wir durch Verletzen der Goldenen Regel Abhilfe erlangen könnten, sollen wir es selbst bis zum Tod ertragen, als die Gerechtigkeit zu verletzen. Nur wenn wir in mitten schweren Erprobungen loyal sind, werden wir uns würdig erweisen. So müssen wir beweisen, dass wir treu sind.

Was für eine wunderbare Eigenschaft ist die brüderliche Liebe tatsächlich! Die meisten Menschen erkennen nicht, was in der Goldenen Regel enthalten ist. Zweifellos hat uns Gott in ihr ein wunderbares Gebot zu unserer Erleuchtung und Praxis gegeben. Lasst uns aber liebe Geschwister nicht denken, dass, wenn wir die Goldene Regel praktiziert haben, alles zur Überwindung Gehörige getan haben. Wir dringen nicht weiter als bis zur Gerechtigkeit vor, wenn wir sie praktizieren. Wenn wir Überwinder werden möchten, müssen wir zur Liebe voranschreiten und sie bis zum Niederlegen des Lebens aus Freude an guten Prinzipien entwickeln. Erst wenn wir dies tun und mit Liebe, Glaube, Hoffnung, Selbstbeherrschung, Geduld, Frömmigkeit und brüderlicher Liebe alle unsere anderen Eigenschaften des Herzens und Sinnes kontrollieren, werden wir uns eines Teiles in Gottes herrlichem Königreich würdig erweisen. Lasst uns deshalb nicht in der Entwicklung unserer Christusähnlichkeit bei der Entwicklung der brüderlichen Liebe anhalten, sondern lasst uns bis zur Liebe fortfahren. Mögen dann diese so entwickelten sieben höheren erstrangigen Gnaden wirken und reichlich vorhanden sein, bis wir beweisen, Überwinder zu sein.

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